Was ist EBITDA?
EBITDA steht für "Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization" — auf Deutsch: Ergebnis vor Zinsen, Steuern, planmäßigen Abschreibungen auf Sachanlagen (Depreciation) und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Amortization). EBITDA bereinigt das Betriebsergebnis um nicht-operative Posten und buchhalterische Aufwendungen, die keinen unmittelbaren Cashabfluss darstellen. Es zeigt, wie viel Cash das Kerngeschäft eines Unternehmens aus seinem operativen Betrieb erwirtschaftet — unabhängig davon, wie das Unternehmen finanziert ist, welche Steuerstrategie es verfolgt und wie es Abschreibungen bucht.
EBITDA ist deshalb die am häufigsten verwendete Kennzahl für den Unternehmensvergleich. Zwei Unternehmen mit identischem operativem Geschäft, aber unterschiedlicher Fremdkapitalquote oder unterschiedlichem Abschreibungsregime, haben denselben EBITDA — aber sehr unterschiedliche Nettogewinne. EBITDA macht sie vergleichbar.
Im DACH-Kontext ist EBITDA die zentrale Kennzahl für M&A-Transaktionen und Unternehmensfinanzierungen. Banken und Private-Equity-Investoren verwenden das EBITDA-Vielfache als primären Bewertungsmaßstab. Im B2B-SaaS-Markt wird EBITDA oft in der Rule-of-40-Berechnung verwendet, aber ARR-Wachstum und Bruttomarge bleiben die primären Wertreiber — EBITDA tritt erst bei Scale-Stage-Unternehmen stärker in den Vordergrund.
Wie wird EBITDA berechnet?
Es gibt zwei gleichwertige Berechnungswege:
Weg 1: Ausgehend vom Nettogewinn (Bottom-up)
EBITDA = Nettogewinn
+ Zinsaufwendungen (netto)
+ Ertragssteuern
+ Abschreibungen auf Sachanlagen (Depreciation)
+ Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Amortization) Weg 2: Ausgehend vom Umsatz (Top-down)
EBITDA = Umsatz
− Wareneinsatz (COGS)
− Betriebliche Aufwendungen ohne Abschreibungen
(Vertrieb, Marketing, R&D, allgemeine Verwaltung) Konkretes Rechenbeispiel für ein B2B-SaaS-Unternehmen:
Umsatz 8.000.000 € − Wareneinsatz (COGS) −2.000.000 € = Bruttogewinn 6.000.000 € (Bruttomarge: 75 %) − Vertrieb & Marketing −2.400.000 € − Forschung & Entwicklung −1.200.000 € − Allgemeine Verwaltung (G&A) −600.000 € = EBITDA 1.800.000 € (EBITDA-Marge: 22,5 %) − Abschreibungen (D&A) −300.000 € = EBIT (Betriebsergebnis) 1.500.000 € − Zinsen −150.000 € − Steuern −450.000 € = Nettogewinn 900.000 € (Nettomarge: 11,25 %)
EBITDA-Benchmarks nach Unternehmensphase
Die EBITDA-Marge entwickelt sich typischerweise im Verlauf des Unternehmenswachstums:
| Phase | Typische EBITDA-Marge | Kontext |
|---|---|---|
| Early Stage (bis 2 Mio. € ARR) | −50 % bis −100 % | Starke Investitionsphase; EBITDA kein primärer KPI |
| Growth Stage (2–15 Mio. € ARR) | −20 % bis +5 % | Annäherung an Profitabilität; Rule of 40 relevant |
| Scale Stage (15–50 Mio. € ARR) | 0 % bis +20 % | Profitabilitätsnachweis gefordert; EBITDA zentral |
| Reife (50 Mio. € ARR+) | +15 % bis +35 % | Top-Quartil Public SaaS; M&A-Bewertungsrelevanz |
| DACH-Mittelstand (klassisch) | 8 % – 15 % | Traditionelle Branche; Finanzierungsbasis für M&A |
Die Rule of 40 verbindet EBITDA-Marge und ARR-Wachstumsrate zur wichtigsten Composite-Kennzahl im DACH-SaaS-Markt: Ein Unternehmen, das 35 % wächst und eine EBITDA-Marge von +10 % hat, erzielt einen Rule-of-40-Wert von 45 — solide. Ein Unternehmen, das 20 % wächst und eine EBITDA-Marge von +5 % hat, erzielt 25 — unterhalb des Schwellenwerts.
Adjusted EBITDA: Was wird herausgerechnet?
In Investorengesprächen und M&A-Prozessen wird oft "Adjusted EBITDA" verwendet — eine bereinigte Version, die Einmaleffekte aus der Berechnung herausnimmt. Typische Bereinigungen im DACH-Markt:
| Bereinigungsposten | Begründung |
|---|---|
| Aktienbasierte Vergütung (SBC) | Kein Cashaufwand; wird für Cashflow-Vergleich herausgerechnet |
| Restrukturierungskosten | Einmalig; kein Indikator für laufende Profitabilität |
| M&A-Transaktionskosten | Einmalig; außerhalb des normalen Geschäftsbetriebs |
| Anpassung Gründergehälter | Bei familiengeführten DACH-Mittelstandsunternehmen üblich |
Vorsicht: Aggressive EBITDA-Bereinigungen sind im DACH-Markt ein bekanntes Warnsignal bei M&A-Prozessen. Ein Adjusted EBITDA, das 30–50 % über dem reported EBITDA liegt, sollte sorgfältig geprüft werden.
Wie Fairview EBITDA überwacht
Fairview berechnet das EBITDA automatisch, indem es die Umsatzdaten aus dem Abrechnungssystem mit den Kostendaten aus der Finanzbuchhaltung (DATEV, Lexware, SAP u. a.) verbindet und die Abschreibungsposten aus dem Anlagenverzeichnis einbezieht. Die EBITDA-Marge wird kontinuierlich berechnet — nicht als Quartalssnapshot, sondern als rollierender 12-Monats-Wert, aufgeschlüsselt nach Produkt, Kundensegment und Geschäftsbereich.
Wenn einzelne Kostenkategorien überproportional wachsen und die EBITDA-Marge unter den konfigurierten Schwellenwert für die Rule of 40 drücken, löst Fairview automatisch eine Warnung aus und zeigt, welche Kostenposition die Abweichung verursacht. So erhalten COOs und CFOs die Information, bevor das EBITDA zum Thema im Board-Meeting oder im Bankgespräch wird.