Zum Inhalt springen

Glossar · Marketingeffizienz

Blended ROAS berechnen: Formel, Abgrenzung und Beispiel

Blended ROAS setzt den einmal erfassten Gesamtumsatz ins Verhältnis zum gesamten Paid-Media-Spend. Aussagekräftig wird die Kennzahl erst, wenn Umsatzgrenze, Kostenumfang, Periode und Währung eindeutig dokumentiert sind.

Ritik Namdev 9 Min. Lesezeit
UmsatzgrenzeAttributionEntscheidungslogik
Standardformel Blended ROAS = definierter Gesamtumsatz ÷ gesamte bezahlte Werbeausgaben

Was ist Blended ROAS?

Blended ROAS, ausgeschrieben Blended Return on Ad Spend, ist eine aggregierte Effizienzkennzahl. Sie beantwortet: Wie viel Umsatz stand jedem Euro gegenüber, den das Unternehmen über alle bezahlten Werbekanäle ausgegeben hat? Anders als ein Kanal-ROAS verteilt sie den Umsatz nicht auf Meta, Google, TikTok oder andere Plattformen.

Das Wort „blended“ beschreibt die Zusammenführung der Kanäle, nicht einen Mittelwert ihrer gemeldeten ROAS-Werte. Ein arithmetischer Durchschnitt wäre falsch, weil Kanäle unterschiedliche Spend-Beträge und möglicherweise überlappende Conversions haben. Berechnet wird das Verhältnis aus einem Gesamtumsatz und einer Gesamtausgabe.

Zähler und Nenner eindeutig abgrenzen

Teams sollten direkt neben der Kennzahl eine kurze Messdefinition führen. Zwei Werte sind nur vergleichbar, wenn dieselben Geschäftsvorfälle enthalten sind. Besonders Retouren, Umsatzsteuer und Agenturkosten verändern das Ergebnis, ohne dass sich die operative Werbeleistung geändert haben muss.

Dokumentationsfelder für einen reproduzierbaren Blended ROAS
DimensionFestlegungTypischer Fehler
UmsatzZum Beispiel realisierter Nettoumsatz nach Stornos und RetourenBestellwert vor Retouren mit späteren Nettowerten vergleichen
Paid SpendAlle bezahlten Kanäle; Gebühren und Agenturen separat kennzeichnenEinen neu gestarteten Kanal aus dem Nenner auslassen
PeriodeIdentischer Start, identisches Ende und einheitliche ZeitzoneMonatlicher Umsatz mit Rechnungen aus einer anderen Periode verbinden
WährungEine Berichtswährung mit dokumentiertem WechselkursPlattformspend in mehreren Währungen ungeprüft summieren
SteuernUmsatz und Ausgaben netto oder brutto konsistent behandelnBruttoumsatz durch Netto-Spend teilen

Organische und direkte Verkäufe bleiben beim üblichen Blended ROAS im Gesamtumsatz enthalten. Deshalb misst die Kennzahl keine reine Paid-Media-Kausalität. Ändert sich der Anteil organischer Nachfrage oder von Wiederkäufen deutlich, muss dieser Mix bei der Interpretation sichtbar sein.

Warum Plattform-ROAS nicht addiert werden darf

Plattform-ROAS teilt den von einer Plattform nach deren Attributionsregeln beanspruchten Umsatz durch den Spend dieser Plattform. Ein Kauf kann mehrere Anzeigenkontakte haben. Wenn Meta und Google denselben Kauf jeweils zuordnen, entsteht beim Addieren der gemeldeten Conversions eine Doppelzählung. Unterschiedliche Attributionsfenster, View-through-Regeln und modellierte Conversions erschweren den Vergleich zusätzlich.

Blended ROAS

Gesamtbudget steuern

Einmal erfasster Gesamtumsatz ÷ gesamter Paid Spend. Geeignet, um die Entwicklung des gesamten Werbeportfolios zu beobachten.

Plattform-ROAS

Innerhalb eines Kanals diagnostizieren

Attributierter Plattformumsatz ÷ Plattformspend. Nützlich für relative Kampagnenvergleiche unter demselben Messmodell.

Inkrementalität

Kausale Wirkung prüfen

Kontrollierte Tests untersuchen, welcher zusätzliche Umsatz durch Werbung verursacht wurde. Blended ROAS allein beantwortet diese Frage nicht.

Rechenbeispiel mit konsistenter Messgrenze

Ein Händler weist für April 320.000 € realisierten Nettoumsatz nach Stornos und Retouren aus. Im selben Zeitraum entstehen 45.000 € Meta-Spend, 25.000 € Google-Spend und 10.000 € weiterer Paid Spend. Alle Beträge sind in Euro und ohne Umsatzsteuer erfasst.

Definierter Gesamtumsatz320.000 €
Gesamter Paid Spend80.000 €
Blended ROAS4,0x

Die Rechnung lautet 320.000 € ÷ 80.000 € = 4,0. Jedem Euro Paid Spend standen in dieser Definition vier Euro Umsatz gegenüber. Das Ergebnis sagt noch nicht, dass vier Euro zusätzlicher Umsatz durch Werbung verursacht wurden oder dass nach Produkt-, Fulfillment- und Zahlungs­kosten Gewinn verblieb.

MER, Plattform-ROAS und True ROAS unterscheiden

MER, kurz für Marketing Efficiency Ratio, wird häufig synonym zu Blended ROAS verwendet. Manche Teams beziehen unter MER jedoch zusätzliche Marketingkosten wie Agenturen, Produktion oder Sponsoring ein. Ein Name ersetzt deshalb keine Definition: Der Nenner muss im Reporting ausgeschrieben werden.

Fairviews Begriff True ROAS erweitert die Umsatzsicht um relevante variable Kosten, um die Beitragswirkung nach Werbeausgaben zu betrachten. Der True-ROAS-Rechner macht diese Annahmen explizit. Plattform-ROAS bleibt dagegen eine attributierte Kanalsicht. Diese Kennzahlen sind keine austauschbaren Rankings, sondern Werkzeuge für verschiedene Fragen.

Welche Kennzahl beantwortet welche Frage?
KennzahlZählerNennerEntscheidung
Blended ROASDefinierter GesamtumsatzGesamter Paid SpendGesamtbudget und Trend
Plattform-ROASVon der Plattform attribuierter UmsatzSpend der PlattformRelative Diagnose im Kanal
True ROASKostenbereinigte Ergebnisgröße gemäß offengelegter DefinitionWerbeausgabenBeitragswirkung der Werbung

Blended ROAS für Entscheidungen nutzen

Einen universellen Zielwert gibt es nicht. Die wirtschaftliche Grenze hängt von realisiertem Deckungsbeitrag, Retouren, Fulfillment, Zahlungsgebühren, Wiederkäufen, Fixkosten und Ergebnisziel ab. Bei einer vor Werbung verfügbaren Deckungsbeitragsmarge von 25 % läge die rechnerische Werbe-Break-even-Grenze bei 1 ÷ 0,25 = 4,0x, bevor Fixkosten oder ein Zielgewinn berücksichtigt werden. Die Marge muss zur verwendeten Umsatzbasis passen.

  1. Messgrenze prüfen: Haben Umsatz, Spend, Periode oder Währung ihre Definition verändert?
  2. Abweichung zerlegen: Trennen Sie Spend, Preis, Bestellvolumen, Retouren, organischen Mix und Wiederkäufe.
  3. Ökonomie ergänzen: Prüfen Sie die Veränderung gegen realisierten Deckungsbeitrag und Liquiditätswirkung.
  4. Hypothese testen: Formulieren Sie Budgetänderung, erwartete Wirkung, Verantwortlichen und Prüftermin.
  5. Kausalität separat prüfen: Nutzen Sie bei großen Allokationsentscheidungen geeignete Holdout- oder Geo-Tests.

Häufige Fragen

Was ist Blended ROAS?

Blended ROAS ist der gesamte, in einer definierten Periode realisierte Umsatz geteilt durch die gesamten bezahlten Werbeausgaben derselben Periode. Die Kennzahl weist Umsatz nicht einzelnen Plattformen zu, sondern misst die Effizienz des Paid-Media-Portfolios als Ganzes.

Wie lautet die Blended-ROAS-Formel?

Blended ROAS = definierter Gesamtumsatz ÷ gesamte bezahlte Werbeausgaben. Umsatz, Spend, Zeitraum, Währung und Steuerbehandlung müssen auf beiden Seiten konsistent sein. Das Ergebnis wird als Faktor ausgedrückt, zum Beispiel 4,0x.

Sind Blended ROAS und MER dasselbe?

Häufig werden Blended ROAS und Marketing Efficiency Ratio synonym verwendet. Unternehmen können MER jedoch breiter definieren und weitere Marketingkosten einbeziehen. Deshalb muss jedes Reporting offenlegen, welche Umsatz- und Kostenpositionen im Zähler und Nenner enthalten sind.

Warum weicht Blended ROAS vom Plattform-ROAS ab?

Plattform-ROAS verwendet den von einer Werbeplattform nach ihrem Attributionsmodell beanspruchten Umsatz und deren eigenen Spend. Mehrere Plattformen können denselben Kauf beanspruchen. Blended ROAS verwendet den einmal erfassten Gesamtumsatz und den gesamten Paid Spend, sodass diese Summierung von Plattform-Conversions vermieden wird.

Was ist ein guter Blended ROAS?

Es gibt keinen universell guten Blended ROAS. Ein tragfähiger Wert hängt von Umsatzdefinition, realisiertem Deckungsbeitrag, Retouren, Zahlungsgebühren, Fulfillment, Wiederkäufen, Fixkosten und Ergebnisziel ab. Das Unternehmen sollte seine eigene Entscheidungsgrenze aus diesen wirtschaftlichen Größen ableiten.

Wofür eignet sich Blended ROAS nicht?

Blended ROAS beweist weder die Kausalität einzelner Kampagnen noch die inkrementelle Wirkung von Werbung. Er kann außerdem durch organische Nachfrage, Preisänderungen, Saisonalität und Wiederkäufe steigen, ohne dass Paid Media effizienter geworden ist. Für Kanalentscheidungen braucht es ergänzende Experimente und Diagnosen.

Ritik Namdev

Über den Autor

Ritik Namdev

Growth Marketing Manager, Fairview

Growth-Marketer mit fünf Jahren Erfahrung in Analytics, Conversion und programmatischem SEO für contentgetriebene SaaS-Unternehmen.

Redaktionell geprüft von Akshay VR